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Im GFK wird mit dem Kör­per gear­bei­tet, das ist in der klas­si­schen klientenzentrierten/personzentrierten The­ra­pie nicht üblich. Wie genau sieht denn so eine Arbeit mit dem Kör­per aus?

Kli­en­ten­zen­trier­te Kör­per­ar­beit kann in ver­schie­de­nen Vari­an­ten erfol­gen:

Zur Wahr­neh­mungs­schu­lung wird die Auf­merk­sam­keit auf kör­per­li­che Phä­no­me­ne gerich­tet (“Was spü­ren Sie in Ihrem Kör­per, wenn Sie all das erzäh­len?”), durch Spie­geln ver­deut­licht (“Wenn ich als Beglei­te­rin so dasit­ze wie Sie, mer­ke ich, dass ich kaum atmen kann — geht Ihnen das auch so oder ist das bei Ihnen ganz anders?”), die Bezie­hung zwi­schen kör­per­li­chen Phä­no­me­nen und den gera­de bespro­che­nen The­men von den Kli­en­tIn­nen rea­li­siert (“Aha, wenn ich so zusam­men­ge­sun­ken dasit­ze, füh­le ich mich depri­mier­ter, als wenn ich mich auf­rich­te und mehr atme!”).

In einem Focu­sing­pro­zess wird im Kör­per nach einer Reso­nanz, nach einem Echo auf bestimm­te The­men gesucht. Es ent­wickelt sich dann im Lau­fe des Pro­zes­ses aus einem eher unauf­fäl­li­gen “Etwas” eine deut­li­che neue Bedeu­tung.

Direk­te Kör­per­in­ter­ven­tio­nen hel­fen, z.B. eine Ver­span­nung an einem Ort durch die Auf­la­ge der Hand (eige­ne oder die der The­ra­peu­tin) deut­li­cher zu füh­len; einen Wunsch (“Ich möch­te gehal­ten wer­den”) pro­be­wei­se z.B. durch eine stüt­zen­de Hand hin­ten am Rück­grat zu erfah­ren; mit dem The­ma (nicht)berührtwerden-(nicht)berühren in Kon­takt zu kom­men.

Ein kör­per­li­cher Dia­log ent­steht, wenn die Auf­merk­sam­keit wie beim ver­ba­len Dia­log auf dem Hin- und Her an der Kon­takt­stel­le, auf dem kör­per­li­chen Fra­gen und Ant­wor­ten liegt: an der Schul­ter z.B. aus­pro­bie­ren, wie sich ver­schie­de­ne Hal­tun­gen anfüh­len, mit der Hand Vor­schlä­ge machen, sich anleh­nen, dage­gen stos­sen, auf die­se Art ein “Gespräch” von Kör­per zu Kör­per begin­nen.

Auto­no­me Pro­zes­se fin­den statt, wenn auf die Suche nach Bedeu­tung und Ver­ste­hen wol­len vor­erst ver­zich­tet und statt des­sen den bio­lo­gi­schen Pro­zes­sen ihren Lauf gelas­sen wird (wei­nen, zit­tern, fal­len las­sen…). So kön­nen unter­schied­li­che kör­per­li­che und gefühls­mäs­si­ge Kon­fi­gu­ra­tio­nen erfah­ren wer­den, die dann spä­ter in die Gesamt­the­ma­tik inte­griert wer­den.

Was heisst eigent­lich Emer­genz?

Emer­genz ist das plötz­li­che Auf­tau­chen einer neu­en Qua­li­tät, die jeweils nicht erklärt wer­den (=kau­sal abge­lei­tet wer­den) kann durch die Eigen­schaf­ten oder Rela­tio­nen der betei­lig­ten Ele­men­te oder Kom­po­nen­ten, son­dern durch eine jeweils beson­de­re selbst­or­ga­ni­sie­ren­de Pro­zess­dy­na­mik (Wech­sel­wir­kung). Über­ra­schend, uner­war­tet, nicht vor­her­sag­bar.

Emer­genz ist für uns ein wich­ti­ges Kon­strukt, weil wir in der the­ra­peu­ti­schen Arbeit immer nur Bedin­gun­gen schaf­fen kön­nen (und dafür Hand­werks­zeug, Erfah­rung, eine bestimm­te Hal­tung und Prä­senz brau­chen), die Wir­kung aber oder das Ergeb­nis, also das, was in der Per­son des Kli­en­ten oder in unse­rem Bezie­hungs­feld dann “emer­giert”, nicht in unse­rer Macht liegt. Kann gleich­zei­tig Ansporn und Ent­la­stung sein!